Das Customary Land Law, das Gesetz, das Land in traditionellem Besitz betrifft, wurde in Malawi nach längeren Konsultationen mit zivilgesellschaftlichen Organisationen und den traditionellen Dorfvorstehern (bzw. Chiefs) im Jahre 2022 erlassen. Im Gegensatz zur gängigen Praxis in den patrilinearen Gesellschaften im Norden Malawis sieht es Eigentumsrechte an Land für Frauen vor. Die Umsetzung des Gesetzes steckt jedoch noch in den Anfängen. Die Mehrheit der Menschen auf dem Lande kennt es nicht und vor allem Frauen sind sich ihrer Rechte nicht bewusst. In der dortigen patrilinearen Gesellschaft zieht eine Frau mit der Heirat in das Dorf ihres Mannes. Nur in seltenen Fällen verfügt sie dort über eigenes Land zur Bewirtschaftung. Normalerweise arbeiten die Frauen auf den Feldern der Familien ihrer Männer mit. Über die Verwendung des Ertrags entscheiden häufig jedoch allein diese. Nach Scheidung oder Tod ihres Ehemannes sind Frauen normalerweise gehalten, zu ihren Eltern zurückzukehren und müssen in der Regel die meisten ihrer Besitztümer bei der Familie des Mannes zurücklassen. Das von Misereor geförderte und von der Catholic Commission for Justice and Peace (CCJP) der Diözese Mzuzu durchgeführte Projekt „Landrechte für Frauen und marginalisierte Gruppen“ setzt vor dieser weiterhin dominierenden Praxis den Zugang zu Land und die Ausstellung von Landtiteln für Frauen im Distrikt Rumphi im Norden Malawis gemeinsam mit der Landbehörde um. Zudem berät das Projekt die Frauen in agroökologischen Anbautechniken. Vor allem Witwen und geschiedene Frauen, die in den Hofstätten ihrer Eltern oft nicht sehr respektvoll behandelt werden, können durch den Besitz und die eigenständige Bearbeitung von Land mit agrarökologischen Anbaumethoden nicht nur sich und ihre Kinder selbst ernähren, sondern erzielen durch den Verkauf eines Teils ihrer Ernte auch einen Erlös, den sie in den Schulbesuch der Kinder, den Ankauf weiteren Landes oder den Aufbau einer anderen einkommenschaffenden Aktivität investieren. Zudem werden sie im Vergleich zu vorher dadurch geachtete Mitglieder ihrer Gesellschaft und nehmen sogar an den Entscheidungen im Dorf teil. AVE Good Practice Reihe, vol. 2025, no. 32